ELGIP-Symposium an der Technischen Universität Darmstadt
15.04.2026
Das ELGIP-Symposium on Innovative and Sustainable Materials for Geotechnical Applications fand am 11. März 2026 an der Technischen Universität Darmstadt statt.
Die Veranstaltung brachte Referenten, Teilnehmende und Beitragende zusammen für einen engagierten und aufschlussreichen Austausch. Das Symposium war geprägt von wissenschaftlicher Rigorosität, praktischer Relevanz und offenen Diskussionen über Chancen und Herausforderungen nachhaltiger Innovation in der Geotechnik.
- Jürgen Rödel eröffnete das Symposium mit einer Betonung der Dringlichkeit nachhaltigen Handelns und der wichtigen Rolle der Wissenschaft in diesem Kontext. Seine zum Nachdenken anregende Frage – ob wir uns wie Menschen, Schafe oder Frösche verhalten – gab den Ton für den Tag vor.
- Eddie Koenders präsentierte die neuesten Forschungsergebnisse zu CO₂-neutralem Beton und alternativen Bindemitteln. Angesichts des hohen Verbrauchs von Zement und Beton auch in der Geotechnik ist dies eindeutig ein Schlüsselthema für die Zukunft.
- Michael Harbottle entführte uns in die Welt programmierbarer Materialien und naturbasierter Lösungen. Es war faszinierend zu sehen, wie beispielsweise kleine Energiemengen mithilfe von Bakterien unterirdisch gespeichert werden können.
- Stefan Ritter teilte Ergebnisse eines großen Forschungsprojekts zu alternativen Bindemitteln für das Tiefeninjektionsverfahren mit, von Labortests bis zur praktischen Anwendung. Besonders wertvoll war sein ehrlicher Blick auf die Umsetzung: Einige Materialien funktionieren technisch sehr gut, aber die Machbarkeit hängt auch von Verfügbarkeit und Skalierbarkeit ab. Ein gutes Beispiel ist Papierschlammasche – vielversprechend als Bindemittel, aber in Mengen produziert, die zu klein sind, um eine breite praktische Anwendung in der Bodenverfestigung zu unterstützen.
- Maren Katterbach und Dimitrios Terzis zeigten die kommerzielle Anwendung von Bio-Zementierung in geotechnischen Projekten und sprachen dabei auch deren aktuelle Grenzen in der Praxis an.
- Leon van Paassen gab auf Basis von fast zwei Jahrzehnten Forschung und Praxis beeindruckende Einblicke in bio-zementierte Böden, gestützt durch Labor- und Feldversuche. Ein wichtiges Ergebnis war, dass das Verfahren besonders geeignet ist, wo moderate Festigkeitssteigerungen oder begrenzte Zementierung erforderlich sind. Sein echtes Nachhaltigkeitspotenzial liegt nicht darin, konventionelle Zementeigenschaften zu kopieren, sondern Zement in Fällen zu ersetzen, wo seine Eigenschaften das tatsächlich Erforderliche übersteigen würden – beispielsweise beim Erosionsschutz.
Das Symposium zeigte, dass nachhaltige Geotechnik über neue Materialien und Methoden hinausgeht. Es erfordert ein umfassendes Verständnis dafür, wo Innovationen echten Mehrwert schaffen, welche Hindernisse überwunden werden müssen und wie sich Fortschritte verantwortungsvoll in der Praxis umsetzen lassen.
Herzlichen Dank an Tone Ratcliffe Smaavik und Jan Machaček für die hervorragende Co-Organisation und Moderation.
Großer Dank auch an Julia-Isabelle Ruopp für die reibungslose und nahtlose Organisation des gesamten Events!